Westgotische Epistolographie

Viele Briefe des westgotischen Spanien liegen nur in älteren Editionen vor, die aus wissenschaftlicher Sicht überholt, zuweilen fehlerhaft und schwer zugänglich sind. Eine stattliche Zahl von Briefen und Briefgruppen ist daher nur wenig bekannt, obwohl die darin enthaltenen Briefe als Quellen ersten Ranges gelten. Außer den vier Briefen, die zwischen Quiricus von Barcelona und Ildefonsus von Toledo ausgetauscht wurden, sind es vor allem die drei Briefe, die Licinianus von Cartagena, einer der großen theologisch gebildeten und in kirchlichen Strukuren verankerten Bischöfe seiner Zeit, an Epiphanus, an Vincentius von Ibiza und an Papst Gregor den Großen richtete.
Noch gravierender ist es, dass fünf von den dreizehn Briefen Isidors von Sevilla nur durch eine Edition des 18. Jahrhunderts von F. Arévalo bekannt sind. Obwohl die anderen acht Briefe des Bischofs durch die Edition in den Monumenta Germaniae Historica besser zugänglich gemacht wurden, verdienen auch sie mit Blick auf die Verbesserung einiger zentraler Lesarten eine Neuausgabe.

Briefe der Päpste, der Bischöfe und der Könige

Vor 711 bildet die päpstliche Korrespondenz einen wichtigen Teil des Quellencorpus und muss neu gesichtet werden, auch hinsichtlich der Erwähnungen in der Historiographie, in den kirchenrechtlichen Sammlungen und in anderen Quellen. Manche der Briefe sollten kritisch ediert werden.
Obwohl mehrere Fragmente der bischöflichen Korrespondenz für die westgotische Zeit erhalten sind, gibt es nur sehr wenige Briefe von Königen oder wichtigen Laien. So hat König Rekkared wenige Jahre nach seiner Konversion (587–589) einen Brief an Gregor den Großen gerichtet, um ihm diesen religionsgeschichtlich bedeutsamen Schritt mitzuteilen.
Ebenso wird die Sammlung der Epistolae wisigothicae, obwohl sehr disparat, von großem Nutzen für eine formale und inhaltliche Untersuchung sein, insbesondere die Briefe des Grafen Bulgar und des Königs Sisebut. Die Erstellung des Textes ist ausgesprochen schwierig, da der Codex von Oviedo, der die Sammlung überlieferte, nicht mehr erhalten ist : Bekannt sind die Briefe nur aus neuzeitlichen Gelehrtenkopien und durch zwei mittelalterliche Handschriften.

Der Briefe des Adoptianismusstreits

Die editorische Arbeit ist ebenso für eine weitergehende Untersuchung des Adoptianismusstreits unabdingbar, da dieser vor allem mit Briefen ausgetragen wurde. Außer Alkuin und Felix von Urgell haben sich die Protagonisten des Streits niemals getroffen. Der Erzbischof von Toledo Elipandus und sein Bischofskollege Felix von Urgell, Beatus von Liébana, Alkuin, Paulinus von Aquileia, Karl der Große und Papst Hadrian I. debattierten während eines Jahrzehnts ausschließlich in brieflicher Form. Die wichtigsten Stücke dieser internationalen Korrespondenz sind in zahlreichen, sehr verstreuten Manuskripten mit unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Zeiten auf uns gekommen. Die einzelnen Schriftstücke sind mehr oder weniger gut in jüngerer Zeit ediert worden, aber jenseits der Tatsache, dass sie nie in einem Band vereint wurden, sind insbesondere Verbesserungen der Datierungen sowie einiger Lesarten notwendig.